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Ist die Verlagswelt auf den Kopf gestellt?
Während die einen behaupten, der Online-Hype sei zurückgegangen, setzen andere voll auf das Internet und neue Dienstleistungen. Sie erhoffen sich neue Zusatzmärkte zum starken Printgeschäft. Gedruckte Bücher, E-Books, mobile Dienste – die Welt des Publishings wird vielfältiger. Verlage erweitern ihre Geschäftsfelder und schaffen neben Print digitale Wertschöpfungsketten. Allein 2009 verzeichneten Verlage mit Online-Diensten eine Umsatzsteigerung von rund 21 Prozent. Gemessen am dominierenden Printgeschäft rangiert ihr Anteil zwar auf sehr niedrigem Niveau. Dennoch folgen Druck- und Medienbranche und alle Zulieferer der Verlage diesem Trend und bieten neue Dienstleistungen für Verlage an. Das Zauberwort heißt: „Multi-Channel-Publishing“. Bereits heute werden aus einem Datenbestand Print- und Onlinemedien gleichermaßen entwickelt. Dabei eröffnen sich Druck- und Medienbetrieben neue Chancen für neue Dienstleistungen, denn die Verlage benötigen Hilfestellung für die Optimierung ihrer Workflows und die Aufbereitung von Daten für die Content-Nutzung auf verschiedenen Output-Kanälen.
Ist das Buch der Zukunft noch ein Buch?
Wie der Content auf verschiedene Kanäle gebracht wird, ist eines der großen Verlags-Themen. Schon auf der Buchmesse im vergangenen Jahr sprach Ingrid Goldstein (Knowledge Architectures) von einem Kulturschock für die Branche: „Nicht mehr das Medium Buch steht im Mittelpunkt, sondern der Inhalt, der unterschiedlich aufbereitet wird.“
Dr. Frank Sambeth vom Verlag Random House formulierte die Anforderungen an die Dienstleister so: „Die heutigen Prozesse sind noch stark auf das gedruckte Endprodukt ausgerichtet. Erst im Nachhinein werden Bücher E-Book-tauglich gemacht. Wir brauchen einen durchgängigen digitalen Prozess – vom Manuskript bis zu den verschiedenen Endprodukten.“ Die neuen Ausgabekanäle erfordern ebenso neue Layout- und Design-Umsetzungen, denn die Gestaltung von E-Books oder multimedialen E-Magazinen auf dem iPad stellt ganz neue Anforderungen an die Grafiker als es Print bisher tat.
Das neue Stichwort heißt: E-Design. Mit dem Trend zur Rationalisierung und Uniformierung der Verlagsprodukte sehen die Gestalter aber auch eine Gegenbewegung: Buchformen, Materialien, Ausstattungsmerkmale – Bücher heben sich durch Ausstattung und Verarbeitung ab. Tatsache bleibt, dass Menschen gern anfassen, spüren, sehen und auf Papier lesen. Bücher werden neben allen anderen Publishingformen einen festen Platz im Medienmix einnehmen, eben als hochwertige, wertvolle Printprodukte. Für Verlage geht es also um die optimale Verknüpfung zwischen digitalen und gedruckten Medien und um die bestmögliche Zielgruppenansprache.
Bücher sind alles
Die Buchmessen in allen Industrieländern machen es vor: Bücher leben. Und zwar in gedruckter Form mit einem Hardcovereinband, geprägtem Titel auf hochwertigem Feinpapier, als E-Book, als Hörbuch oder als Taschenbuch. Alles ist möglich, und der Leser wählt heute das von ihm favorisierte Medium. Betrachtet man die sozialen Netzwerke, so finden sich dort Millionen von Menschen zusammen in Communities, in denen sie über Bücher diskutieren, neue Autoren empfehlen und über Neuheiten bei den Ausgabemedien sprechen. Weltweit ansässige Verlage finden sich auf Facebook genauso wie Buchhändler und auch Autoren. Sowohl der Buchhandel als auch der Austausch über Bücher und die Inhalte gewinnt durch die interaktiven Gespräche und Austauschmöglichkeiten im Netz an Relevanz. Die Printausgabe eines Buches erhält vor dieser Entwicklung einen ganz besonderen, vor allem einen wertvollen Status. Dabei kommt auch dem handwerklichen Anfertigen von Büchern eine hohe Bedeutung zu. Obwohl der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon in den USA inzwischen deutlich mehr elektronische als gebundene Bücher verkauft, macht ein geprägtes Leinencover dann doch den Unterschied zu den gespeicherten Daten. Laut Amazon haben sich die Verkäufe der digitalen Bücher im Jahresvergleich im ersten Halbjahr 2010 verdreifacht.
