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Bald mehr als 150 Millionen gedruckte Tageszeitungen in Indien

Kein Druckprodukt wurde schon so oft totgesagt wie die Zeitung. Große Verlage in den USA haben das Sterben der Zeitungen nahezu herbeigeredet. Doch das älteste Printprodukt ist auch eines der zähesten im Wandel der Zeit. Neue Formate und crossmediale Konzepte eröffnen Tageszeitungen wieder eine Perspektive für die Zukunft. Anders als etwa in den USA und westlichen Industrieländern, erleben gedruckte Nachrichten in Wachstumsregionen wie Indien und Asien einen enormen Aufschwung. Dabei profitieren diese Länder nicht nur von der demografischen Entwicklung, sondern auch von Strategien, die den Medien- und Kommunikationswandel von Beginn an integrieren, wie Roy Snehasis* von The Telegraph (www.telegraphindia.com) in Indien berichtet. Von Andrea Bötel

Herr Snehasis, was genau ist zur Zeit Ihre Aufgabe bei The Telegraph?

Bei der ABP Group kümmere mich um die Produktionstechnologie der Zeitung.  Meine Verantwortung reicht von der Druckvorstufe über die Durchführung von neuen Greenfield-Projekten bis hin zur Qualität der Druckerzeugnisse. Eigentlich ganz schön viel könnte man sagen.

 

Zeitungen auf der ganzen Welt kämpfen gegen den Einfluss des Internets und anderer elektronischer Medien. Sie verlieren Einnahmen, Leser und Auflagen. Ist diese Entwicklung auch bei den Verlagshäusern in Indien zu beobachten?

Natürlich. Das Internet und elektronische Medien sind rasant wachsende Technologien, die jeden auf der Welt betreffen, da ist Indien keine Ausnahme. Man darf diesen wunderbaren Hilfsmitteln zur Kommunikation und zum Informationsaustausch nicht einfach den Rücken zuwenden. Doch die Finanzkrise hat uns viel mehr Einnahmen- und Auflagenverluste eingebracht als es das Internet je könnte. Durch die konstante Erholung der Wirtschaftslage in Indien und dem starken Wachstum des Bruttoinlandsprodukts kommen die Einnahmen jedoch langsam wieder zurück, zumindest zurzeit. Anders als in vielen anderen Ländern hat die Konjunkturschwäche in China und Indien nicht zu dauerhaften Schäden geführt. Wir haben eine wichtige Lektion gelernt: das sich ändernde Medienverhalten führt zu Printmedien, die doppelt so schnell sein und proaktiv Zeitmanagement betreiben müssen. Die Umsetzung von Informationen und Analysen muss der Echtzeit immer näher kommen. Wir nutzen die Einfachheit und Schnelligkeit der Internetkommunikation und die damit verbundenen Technologien, um dieses Ziel zu erreichen. Dabei kommen wir uns als globale Gemeinschaft näher, die bessere und schnellere Druckverfahren ermöglicht.

 

„Das Internet und elektronische Medien sind schnell wachsende Technologien, die jeden auf der Welt betreffen, da ist Indien keine Ausnahme.“
Roy Snehasis

The Telegraph im Vergleich mit US-amerikanischen Zeitungen

Eine der größten und schwerwiegendsten Herausforderungen, der sich Verlagshäuser stellen müssen, ist der Rückgang von Anzeigen sowohl im Groß- als auch im Kleinformat. Wie würden Sie die Position von The Telegraph im Vergleich mit US-amerikanischen Zeitungen (wie z.B. LA Times oder NY Daily) bewerten?

Bei den Kleinanzeigen spüren wir den Rückgang. Bei den großen nicht wirklich. Gewöhnliche Kleinanzeigen gehen hauptsächlich aufgrund der einfachen Bedienung von Suchmaschinen zurück. Hochwertige Kleinanzeigen sind jedoch weiterhin da und werden es auch immer sein, da die Vollkommenheit eines gedruckten Wortes einfach nicht zu ersetzen ist. Das gedruckte Wort erzeugt bei den Lesern immer noch mehr Vertrauen als „virtuelle“ Suchmaschinenergebnisse. Es gibt riesige und grundlegende Unterschiede zwischen den Märkten in Indien und den USA (bzw. der EU oder anderen Industrieländern). Indien, das bereits heute einer der größten Verbrauchermärkte der Welt ist, möchte bis zum Jahr 2025 endgültig die Spitze übernehmen. Die 50 Millionen Konsumenten aus der Mittelschicht (Schlüsselmarkt für Tageszeitungen) werden bis zum Jahr 2025 auf 563 Millionen anwachsen. Viele Indikatoren dafür kann man in den Berichten von MGI Research nachlesen. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 7,3% in den nächsten 20 Jahren ist Indien zu einem Hotspot für multinationale Investitionen geworden. Jedes globale Markenartikelunternehmen  möchte sich natürlich ein Stück von diesem Kuchen abschneiden. Anzeigen im Großformat werden daher in den nächsten 20 Jahren sowohl im Umfang als auch in der Menge wachsen. Davon wird einiges, wenn nicht sogar das meiste, in den Druck gehen.
 
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