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Obwohl der Siebdruck bei größeren Stückzahlen immer noch kostengünstiger ist, werden bereits viele Bereiche des klassischen Siebdrucks durch moderne Digitaldruckanlagen ersetzt. Doch das bedeutet auf keinen Fall das Aus für den Siebdruck. Denn die Technologie verfügt über verfahrensspezifische Eigenschaften, die sie für bestimmte Einsatzbereiche nahezu konkurrenzlos macht. Neben normalen Siebdruckfarben können die Rakel auch sämtliche andere viskose Stoffe durch die Schablonen pressen. Das können bestimmte Gummiarten sein, Klebstoffe, Silikone, Lacke, Silber oder Carbonmaterialien.
Dadurch wird das Verfahren für den Einsatz zum partiellen Beschichten von Oberflächen in der industriellen Produktion interessant. Hier ist bereits ein großer Einsatzbereich für den Siebdruck entstanden, der sich weiter entwickelt und größer wird. Das bestätigt auch der Präsident des französischen Siebdruckverbandes GPSF, Denis Constantin: „Es gibt einen starken Auftragsrückgang im grafischen Bereich, während der industrielle Siebdruckmarkt weiter wächst.“
„Mit Siebdruck kann man alles machen“
Der Siebdruck eröffnet als „partielles Oberflächenbeschichtungsverfahren“ für Substrate, Medien und Substanzen ein großes Einsatzgebiet in der modernen Technik. Für den industriellen Siebdruck besteht bereits ein großer Markt, und Anbieter von Siebdruckmaschinen wie beispielsweise die Thieme GmbH haben sich längst darauf eingestellt. „Kein anderes Druckverfahren lässt sich so gut an verschiedene Oberflächen und Bedruckstoffe anpassen wie der Siebdruck“, weiß Christian Schweickert von der Thieme GmbH.
So können beispielsweise die Eigenschaften von Schablone und Rakel sowie die der Druckfarbe oder des zu „verdruckenden“ Stoffes je nach Anforderung individuell modifiziert werden. Unterschiedliche Fadenabstände und unterschiedliche Fadenstärken der Netz-Gewebe beeinflussen die Übertragbarkeit des „Druckbildes“. Die Viskosität der Druckfarbe, des Klebstoffes oder Lackes lässt sich für die Verarbeitung an die Oberflächenbeschaffenheit des Bedrucksstoffes anpassen. Genau das macht den Reiz des Siebdrucks aus – vom Kunsthandwerk, über den großformatigen grafischen Druck bis hin zur Vielfalt industrieller Spezialanwendungen. Denis Constantin bringt es auf den Punkt: „Man hat den Eindruck, mit Siebdruck kann man einfach alles machen. Und dabei sind wir noch lange nicht am Ende, denn laufend gibt es neue Anwendungen.“
In der industriellen Fertigung liegt die Zukunft
Und zu diesen Anwendungen zählen etwa die Herstellung von Leiterplatten, elektronische Schaltkreise, Folientastaturen, Auto-Heckscheiben oder Armatur-Anzeigen. Aber auch gedruckte Elektronik für RFID-Chips oder Transponder, Solarzellen, Heizungen, Antennen oder Silikon-Dichtungen werden mit Hilfe des Siebdruckverfahrens hergestellt – die Möglichkeiten des industriellen Siebdrucks sind vielfältig. Die verwendeten Medien haben zum Beispiel leitende, dichtende, speichernde, heizende, klebende, absorbierende, filternde und viele andere Eigenschaften. Der Siebdruck wird dabei nicht nur als Druckverfahren eingesetzt, sondern übernimmt mitunter einen oder mehrere wichtige Fertigungsschritte innerhalb der kompletten Produktionskette.
„Der Siebdruck ist in der Lage mit einer sehr hohen Genauigkeit absolut homogene Schichten auf sämtliche Medien partiell aufzutragen. Dabei ist das Verfahren objektunabhängig, es wird im Runddruck, Körperdruck oder Flachdruck angewendet“, erklärt Christian Schweickert, und er ist sicher, dass die Zukunft des Siebdrucks im industriellen Bereich liegt.
Denis Constantin
„Es gibt einen starken Auftragsrückgang im grafischen Bereich, während der industrielle Siebdruckmarkt weiter wächst.“
Denis Constantin, Präsident des französischen Siebdruckverbandes GPSF
Mit Siebdruck ein Auto herstellen?

Nahezu alle Innendekore von Automobilen werden heute im Siebdruckverfahren produziert: Aluminiumdekore, Cockpit-Anzeigen, Schaltknebel, Antennen oder Heizungsleitungen in Front- und Heckscheibe.

Aber nicht immer muss der aufgetragene Stoff ein Druckbild darstellen. Verdruckt man beispielsweise mehrere Lagen Gummi, so entsteht eine funktionierende Dichtung. Automobilhersteller setzen dieses Verfahren für Zylinderkopfdichtungen ein.

Auch gedruckte Elektronik lässt sich mithilfe des Siebdrucks realisieren, zum Beispiel für den Druck von Airback-Sensoren, bei der Schaltungen auf einer Folie gedruckt werden.
