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Interview mit Benny Landa

„Auf Digital umsteigen oder aussteigen“

Benny_cake_drupa_small.jpg  Mit seiner digitalen Vision treibt Benny Landa* seit vielen Jahren technische Entwicklungen in der grafischen Branche voran und veränderte damit Strukturen und Prozesse. Auch wenn der Erfinder des „digitalen Offsetdrucks“ sich aus dem Tagesgeschäft bei Hewlett Packard zurückgezogen hat, so ist er heute nach wie vor innovativer Motor und populärer Repräsentant für das Unternehmen. Auf dem Roten Sofa sprach er über die Zukunft der Branche, den Digitaldruck und seine neuesten Projekte in Israel. Von Andrea Bötel

Benny, Sie sind als Visionär des digitalen Drucks bekannt. Können Sie Ihre persönlichen Beweggründe für die Gründung von Indigo vor ein paar Jahren beschreiben?

Das ist inzwischen schon 32 Jahre her! Ich würde gerne zurückblicken und behaupten, dass ich Indigo gegründet habe, weil ich diese großartige Vision einer digitalen Zukunft der Druckbranche hatte und diese mit entwickeln wollte – doch das entspricht nicht der Wahrheit. Indigo war für mich am Anfang nur ein Labor, in dem ich meine Ideen entwickeln wollte. Glücklicherweise hatten einige dieser Ideen mit Bildverarbeitung und Druck zu tun. So stellten sie sich als sehr nützlich für das Fotokopieren und später für den digitalen Druck heraus. Erst dann hatte ich eine Vision! Zunächst hatte ich einfach nur Glück!

 

Warum haben Sie in Israel angefangen, und was ist an der High-Tech-Industrie dort so besonders?

Ich bin aus zwei Gründen von Kanada nach Israel gezogen. Erst einmal war ich schon seit meiner Kindheit in das Land Israel verliebt – das habe ich von meinen Eltern mitbekommen. Zweitens bin ich nicht in Kanada sondern in Nordkanada groß geworden. Können Sie sich vorstellen, wie kalt es in Nordkanada ist? Doch nun zur High-Tech-Industrie in Israel: Es gibt nur eins, was sie zu etwas ganz Besonderem macht, die Israelis. Israelis sind die am härtesten arbeitenden, engagiertesten und innovativsten Menschen, die ich jemals getroffen habe. Und genau das ist der Schlüssel zum Erfolg von Indigo.

 

Was waren für Indigo die größten Vorteile der Übernahme von Hewlett-Packard im Jahr 2002?

Der größte Vorteil für Indigo war die Marke HP. Die meisten Akzidenzdruckereien sind kleine Familienbetriebe. Für viele von ihnen stellt der Einsatz einer halben Millionen Dollar für eine digitale Druckmaschine ein großes Risiko dar. Manche müssen Hypotheken auf ihre Häuser aufnehmen. Andere haben ihr Unternehmen (oder ihre Ehe) dafür auf‘s Spiel gesetzt. Würden Sie Geld auf eine kleine, unbekannte Firma setzen, deren Fabrik – welche auch noch ausschließlich aus Inkjetdruckmaschinen besteht – im Nahen Osten angesiedelt ist? Doch trotz all dieser Faktoren hat Indigo sich erstaunlicherweise besser verkauft als alle Konkurrenten zusammen. Die anderen 15 mussten…warten. Da wir nun das HP Logo auf den Indigo-Maschinen haben, wartet niemand mehr. Und das Geschäft boomt.

 

Als Indigo anfing, hat niemand wirklich an das Potenzial von Elektrophotographie mit ElectroInk geglaubt. Heute gibt es unzählige Anwendungen in den unterschiedlichsten Märkten. Können Sie uns die wichtigsten Märkte für den digitalen Druck nennen?

Es gibt drei Märkte, die besonders vom digitalen Druck profitieren: der Akzidenzdruck, die Verpackungsbranche und Fotoprodukte. Ich freue mich, Ihnen sagen zu können, dass HP-Indigo Marktführer in allen drei Branchen ist. Es ist schon erstaunlich, wie der digitale Druck von Indigo diese Märkte erschlossen hat. Nehmen Sie zum Beispiel den Etikettendruck oder den Fotodruck. Inzwischen ist Indigo Marktführer beim Verkauf von Etikettendruckmaschinen, und die meisten digital produzierten Fotoprodukte, wie zum Beispiel Fotoalben, werden auf Indigos gedruckt. Selbst der Mainstream-Akzidenzdruck wird immer digitaler – und auch dort hat Indigo die Führung übernommen.

 

Benny Landa

„Israelis sind die am härtesten arbeitenden, engagiertesten und innovativsten Menschen, die ich jemals getroffen habe.“
Benny Landa

Bis zur Übernahme von Indigo durch HP im Jahre 2002 war Benny Landa Vorsitzender und Chief Executive Officer und leitete die Firmengeschicke seit der Gründung des Unternehmens vor mehr als 30 Jahren. Landa wurden mehrere renommierte Preise verliehen und mehr als 500 Patente weltweit machen ihn zu einem der erfolgreichsten Erfinder der Branche. Heute arbeitet Landa weiter für HP als High-Tech-Experte und strategischer Berater.