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Interview mit Frank Romano

„Die drupa 2012 wird die Super-Inkjet drupa sein“

Frank Romano ist überzeugt, dass Digitaldruck-Lösungen eines Tages das Produktionsniveau des Offsetdrucks erreichen und so die Druckindustrie nachhaltig beeinflussen werden. Der Professor am Rochester Institut für Technologie, RIT, prophezeit dem Offsetdruck bis zum Jahr 2020 ein Nischendasein mit nur noch 30 bis 40 Prozent seines Druckvolumens. drupa report wollte mehr wissen über die neuesten Erkenntnissen des Digitaldruck-Experten und die damit verbundenen Prognosen für die Druckindustrie.

Sie sind ein bekannter Experte für die strategische Analyse des Digitaldrucks seit der Einführung der professionellen Technologie für größere Druckauflagen. Wie würden Sie die Entwicklung von den ersten Systemen, wie den Indigo-Maschinen, die Anfang der 90er Jahre noch im Doppelpack verkauft wurden, und den Chromapress-Systemen bis zu den heutigen Xerox iGen4, HP Indigo-Systemen, Kodak Nexpress, Xeikon-Maschinen oder Canon usw. beschreiben und beurteilen?
Historisch gesehen haben die ersten digitalen Farbdrucker mehrere Jahre gebraucht, bis sie das von ihnen gegebene Versprechen erfüllt haben. Von 1993 bis 2000 gab es ein nur langsames Wachstum. Doch nach 2000 sind die Maschinen, der Markt und die Anwendungen gereift und haben außergewöhnliche Zuwächse verzeichnet.
Seit der Einführung des digitalen Farbdrucks im Jahr 1993 hat die Branche wesentliche Fortschritte gemacht. Die Geschwindigkeit, die Zahl der verfügbaren Formate, die Anzahl der Funktionen und die Qualität haben sich erhöht. Heute hat der Digitaldruck einen Punkt erreicht, wo er 15 Prozent aller auf der Welt erstellten Drucke (zumeist Toner und Inkjet) ausmacht. Das ist ein wirklich hoher Anteil. Die Maschinen sind schneller, höherwertiger und effizienter. Bis 2012 erwarten wir noch mehr Digitaldruckmaschinen und das digitale Auftragsvolumen wird weiter ansteigen.

Heidelberg sagt, dass das Unternehmen nach einem Partner für den Digitaldruck sucht. Erneut, nach dem Verkauf von Nexpress, halten sie diese Technologie für wichtig. Was ist Ihre Meinung?
Natürlich hatten sie mit Kodak einen Partner und sie haben mit der Nexpress die wahrscheinlich beste Digitaldruckmaschine der Branche gebaut. Der Digitaldruck ist immer wichtig. Heidelberg verlor die Nexpress wegen seiner Aktionäre. Ich bin mir sicher, sie wissen, dass sie eine Rolle im Digitaldruck spielen müssen. Ich glaube, sie sollten die Nexpress wieder anbieten und auch zu anderen Systemanbietern Partnerschaften aufbauen. Ich sage Heidelberg eine starke Position im Digitaldruck voraus.

„Ich sage Heidelberg eine starke Position im Digitaldruck voraus.“
Frank Romano

Interview mit Romano (englisch)

 

Offset-Systeme

Könnte das ein Anzeichen dafür sein, dass der Digitaldruck eines Tages in ausgewählten Segmenten den Offsetdruck ersetzen wird? Und was würden Sie den anderen Herstellern von Offsetdruckmaschinen empfehlen?
Ich bin alt genug, um mich an den Übergang vom Buch- zum Offsetdruck in den 70er Jahren zu erinnern. Das lief damals alles sehr schnell und vollständig ab. So etwas wird nicht noch einmal passieren. Zwar wird der Offsetdruck an Volumen verlieren, aber nicht verschwinden. Bis 2020 wird er 30 bis 40 Prozent seines Druckvolumens der vordigitalen Zeit behalten. Danach wird der Digitaldruck den Offsetdruck in Bezug auf die Leistungsfähigkeit überholen. Druckereien, die sowohl Offset- als auch Digitaldruck anbieten, werden den größten Erfolg haben.

Heidelberg besitzt auch das Inkjet/Offset-System Linopress, das, wie sie sagen, für andere Märkte als den Grafikdruck konzipiert ist. Könnte die Offset/Inkjet-Kombination eine Technologie der Zukunft sein?
Linopress bietet im Verpackungs- und Industriedruck interessante Anwendungen. Die Verbindung des Inkjet- mit dem Offsetdruck erfolgt doch bereits mit dem Inkjet-Einsatz bei der Adressierung und Betextung von Offset-Produkten in der Finishing- und Adressierungsphase.

Die letzte große Transaktion der Branche war die 1,5 Milliarden Euro schwere Übernahme von Océ durch Canon. Welche Auswirkungen sind hier für den Digitaldruckmarkt zu erwarten?
Die Canon/Océ-Fusion ist für beide Unternehmen und auch für die Industrie von Vorteil. Gemeinsam sind sie groß genug, um den Kunden mehr Lösungen zur Verfügung zu stellen. Océ ist im Großformatdruck und beim High-End Produktionsdruck mit Rollenzufuhr leistungsstark. Canon besitzt exzellente Bogenzufuhr-Druckmaschinen sowie einen großen Bestand an Patenten für Toner und Inkjet. Ich glaube, dass das langfristig gesehen Sinn macht und der Industrie Vorteile bringt.