Thema des Monats März 2010 -- drupa - 31. Mai bis 10. Juni 2016 - Messe Düsseldorf

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Das Papier macht den Unterschied

Wie niiu das klassische Konzept der Zeitung erfolgreich auf den Kopf stellt

Die neue Generation steht - allen offiziellen Expertenmeinungen zum Trotz – auf gedruckte Tageszeitungen. Das beweisen die Berliner Unternehmer Wanja Oberhof und Hendrik Tiedemann, die mit ihrer individualisierten Tageszeitung niiu seit November 2009 am Markt sind – in Berlin vorerst, jedoch mit wachsender Leserschaft, so dass in naher Zukunft auch die Leser Hamburg, Frankfurt, Köln oder München in den Genuss einer selbst zusammengestellten Zeitung kommen sollen. Von Andrea Bötel

Oberstes Ziel: Anzeigen gewinnen
Die große Herausforderung bei niiu liegt also darin, Werbekunden eine nie da gewesene zielgruppenorientierte Werbeplattform zu bieten. Einige Anzeigenkunden haben bereits angebissen, unter anderem hatte BMW für die niiu-Sonderausgaben zur „Berlinale“ durchgebucht. Weitere stehen auf der Matte, denn allem Anschein nach gewinnt das ungewöhnliche Projekt nun langsam an Fahrt.

Das spannende: Den Werbetreibenden bietet niiu die Möglichkeit gezielt zu werben. BMW hatte beispielsweise während der Berlinade eine mit den Namen der Leser personalisierte Anzeigen- Kampagne geschaltet. Die Zielgruppenauswahl kann weiterhin nach männlichen und weiblichen Lesern gefiltert werden. Ein Hersteller von Fitnessgetränken nutze dies, indem spezielle Drinks für Männer und Frauen beworben wurden. Über die Wohnorte könne man Rückschlüsse auf den gesellschaftlichen Status der Leser ziehen, so Wanja Sören Oberhof, und etwa Kampagnen für „gutbürgerliche“ bis „hippe“ Zielgruppen maßschneidern.

Auch Handelshäuser wie Saturn und Mediamarkt suchen zielgruppenspezifiziert nach Wohngegenden etwa für die Vermarktung von „Upper-Class“- und „Lower-Class“-Produkten. Da wird je nach Verdienst die gute „Miele“ Waschmaschine oder das „No-Name“-Sonderangebot angeboten.  „Sensibel sind allerdings die Datenschutzbestimmungen“, gibt Oberhof zu bedenken und bekräftigt, dass keine persönlichen Daten weitergegeben werden.

Mut + Begeisterung = Erfolg
Von der Idee bis zur ersten Zeitung vergingen einige Jahre. Auch wenn einige die Idee für wahnsinnig hielten, so konnten Oberhof und Tiedemann doch Werber, Verlage und ihre Zielgruppe, nämlich junge und vor allem online affine Menschen, begeistern. „Wir sprechen mit niiu eine junge Zielgruppe an, die selten Zeitungen abonniert, daher stellten uns die Verlage etwa von „New York Times“, „Bild“, „Berliner Morgenpost“, „Handelsblatt“ oder „The Washington Post“, um nur einige zu nennen, Inhalte zur Verfügung“, erklärt Wanja Sören Oberhof.

Für die „Zweitverwertung“ der Inhalte zahlt die InterTi GmbH den Verlagen eine Lizenzgebühr. Daneben kann sich jeder Leser Inhalte aus verschiedenen Online-Portalen und Blogs zusammenstellen. Inhalte aus Web und Print in eine digital gedruckte Zeitung zu vereinigen – das ist das Prinzip. Dabei spiel das Papier als Distributionsmedium eine ganz besondere Rolle. „Wir haben Marktanalysen gemacht“, bestätigt Hendrik Tiedemann, „Die Mehrzahl der jungen Leute liest auf Papier und 60 Prozent der Menschen zwischen 20 und 30 Jahre nehmen mehrmals pro Woche eine Zeitung in die Hand.“

Auch Wanja Sören Oberhof ist vom Papier überzeugt. Langfristig werde das Papier das praktischste Medium bleiben. Die meisten Leser seien verblüfft, dass sie den von ihnen gewünschten Content tatsächlich auf Papier gedruckt nach Hause geschickt bekommen. „Papier macht den Unterschied zu den herkömmlichen Newslettern, Kindle oder iPad“, weiß Tiedemann zu berichten. Aber es sollen auch alle anderen Kommunikationskanäle bespielt werden.

„Papier macht den Unterschied zu den herkömmlichen Newslettern, Kindle oder iPad.“
Hendrik Tiedemann

Wanja Sören Oberhof / Hendrik Tiedemann

Wussten schon früh, dass sie Unternehmer werden wollen: Wanja Sören Oberhof (l.) und Hendrik Tiedemann (r.)


„niiu“ klingt einfach gut, die Assoziation zum englischen „new“ liegt Nahe – zwei Gründe, die für den Fantasienamen niiu sprechen, den die beiden Berliner Jungunternehmer Wanja Sören Oberhof (23) und Hendrik Tiedemann (27) für ihre Zeitung gewählt haben. Viel Fantasie und Vorstellungskraft bringen die beiden jungen Geschäftsführer der InterTi GmbH mit, die Hendrik Tiedemann im Jahre 2003 gründete.

Schon auf der Uni begeisterte sich Tiedemann, der das nötige Startkapital übrigens aus dem Gehalt einer Geschäftsführertätigkeit in einer Immobiliengesellschaft und einer Erbschaft hatte, für Geschäftsmodelle auf Basis sogenannter „Targeting“-Modelle unter Nutzung extrem zielgruppenspezifischer Werbung. „Im Internet funktioniert dieses Prinzip schon sehr gut, aber im Printbereich, insbesondere bei Tageszeitungen, gab es das noch nicht“, so Tiedemann. Weder er noch Oberhof verfügten über verlegerische oder journalistische Erfahrungen, was jedoch für die Jungunternehmer nach eigener Einschätzung von Vorteil war.

Im November 2009 startete das ambitionierte Projekt und die ersten individualisierten niiu´s wurden in Berlin ausgeliefert. Bereits über 1.000 Abos seien schon geschrieben, bis April dieses Jahres sollen es 5.000 sein. Von „Break-even“ redet Wanja Sören Oberhof noch nicht, dennoch ist er zuversichtlich. „Wir haben bis heute eine niedrige 7-stellige Summe investiert und werden mit 5.000 Abonnenten unser erstes Etappenziel erreichen“, klärt er auf. In den nächsten Monaten soll der Wachstumskurs massiv fortgesetzt werden und weiteres Geld investiert werden um neue Märkte zu erschließen.

Berlinale: niiu und BMW

Gemeinsam mit BWM als kreativer Werbepartner lassen sich mit niiu neue Möglichkeiten der individuellen Anzeigenwerbung realisieren.