Hohe Wachstumsraten im Osten und Leistungsexplosion im Westen Teil 2 -- drupa - 31. Mai bis 10. Juni 2016 - Messe Düsseldorf

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Hohe Wachstumsraten im Osten und Leistungsexplosion im Westen Teil 2

Knapp ein drei Viertel Jahr vor der drupa blickt die Branche nach vorn. Die Druckindustrie in den USA und in Europa hat durch die Krise seit 2008 einen rasanten Wandel erlebt. Hinzu kommt: Die Märkte in den Industrienationen sind größtenteils gesättigt, die grafische Branche schrumpftbei gleichzeitigem Anstieg der Leistungsfähigkeit und Produktivität. Dagegen kommen erfreuliche Nachrichten aus Asien, Lateinamerika und dem indischen Raum. Dabei wird eines deutlich: So unterschiedlich die Entwicklungen in den einzelnen Ländern auch sind, so haben die Druckunternehmen im Wesentlichen doch alle mit den gleichen Problemen zu kämpfen: der Wettbewerb mit den digitalen Medien, Preisdruck, Fachkräftemangel – um nur die wesentlichen zu nennen. In Teil 1 dieser Artikelserie werden die Emerging Markets Indien und China beleuchtet, Teil 2 setzt sich mit den drei größten lateinamerikanischen Märkten auseinander: Chile, Argentinien und Brasilien. 

Brasilien – Gewinner der Krise und Wachstumsparadies

Neben den asiatischen Ländern sind es auch die aufstrebenden Märkte in Lateinamerika, von denen die Hersteller für die Branche positive Impulse bekommen. Eine herausragende Rolle spielt Brasilien. Stabile Rahmenbedingungen und ein konstantes Wirtschaftswachstum machen Brasilien auf Jahre zu einem interessanten Markt. Laut gtai-Bericht ist der Binnenkonsum stark, und Investitionen nehmen wieder zu. „Das brasilianische Verlagsgewerbe erlitt während der Krise keine hohen Verluste, sondern erlebte vielmehr eine kurzfristige Drosselung des Wachstums“, bringt der gtai-Bericht die Situation auf einen Nenner. Der Umsatz der brasilianischen Druckindustrie lag 2009 bei 21,14 Mrd. Reais und konnte 2010 um fünf Prozent gesteigert werden. Auch in Brasilien ist das Druckgewerbe vorwiegend fest in den Händen kleiner und mittelständischer Unternehmen: 89 Prozent der insgesamt rund 20.000 Druckereien haben bis zu 19 Mitarbeitern. Mehr als die Hälfte werden im Südosten und nahezu ein Viertel im Süden des Landes betrieben (Quelle: Abigraf, www.abigraf.org.br).

Kai Hagenbuch, printcom Brazil, ist seit vielen Jahren in Brasilien als Jounalist tätig und kennt den Markt gut. Er weiß, warum der Konsum und die Nachfrage in Brasilien entgegen allen anderen Ländern so stabil ist. „Brasilien ist eines der wenigen Länder der Welt, in dem die Anzahl der Betriebe in den letzten Jahren anstieg. Es gab kaum Bankrotte, Zusammenschlüsse oder Schließungen, denn den letzten zehn Jahren kamen in Brasilien 30 Millionen neue Konsumenten hinzu“, erklärt er. Auflagenhöhen steigen deshalb sogar für manche Produkte an“, aber es werde auch immer mehr „on demand“ produziert – sowohl analog als auch digital, vor allem als Folge der Finanzkrise 2008/2009. „Dieses Prinzip wird heute vielfach beibehalten, obwohl die Wirtschaft in Brasilien derzeit boomt“, erläutert Hagenbuch.

Das unglaubliche Wachstum bestätigt auch Dieter Brandt, Chef von Heidelberg Brasilien und Leiter des Heidelberg Lead Markets Sao Paulo: „In Südamerika wachsen neue Medien und Print-Produkte gleichermaßen. Neue Medien sind zwar ein wenig schneller, doch Print kann ebenfalls ein stetiges Wachstum verzeichnen, da der Papierverbrauch pro Kopf im Gegensatz zu den Industrieländern immer noch sehr gering ist. In Brasilien zählen wir heute einen Pro-Kopf-Verbrauch von 60kg Papier pro Jahr, während wir im Jahr 2001 noch bei 30kg waren. Zu dieser Zeit hatten wir natürlich auch ca. 30 Millionen Einwohner weniger.“

Laut Kai Hagenbuch ist der Vierfarbdruck Standard, auch bei Zeitungen und Transpromo, aber Sonderfarben werden nur sporadisch eingesetzt. Auch die Qualitätsansprüche seien hoch und entsprächen europäischem Standard. Die Produktivität hinke aber seinen Einblicken nach der in Europa hinterher.

„Brasilien ist eines der wenigen Länder
der Welt, in dem die Anzahl der Betriebe
in den letzten Jahren anstieg. Es gab kaum
Bankrotte, Zusammenschlüsse oder
Schließungen.“

Kai Hagenbuch, printcom Brazil