drupa feiert 65. Geburtstag -- drupa - 23. Juni - 03. Juli 2020 - Messe Düsseldorf

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drupa feiert 65. Geburtstag

drupa feiert 65. Geburtstag

Zurück in die Zukunft des Drucks

Von Ed Boogard, Niederlande

Selbstschnürende Schnürsenkel oder eine selbst-trocknende Jacke? Fliegende Autos und Hoverboards? Viele der unwahrscheinlich klingenden Voraussagen für das Jahr 2015, die im Mega-Kinohit „Zurück in die Zukunft II“ 1989 gemacht wurden, erwiesen sich als falsch.

Aber in einem lag der Film zumindest richtig: Menschen lesen tatsächlich noch immer gedruckte Zeitungen – jetzt, da wir bald 65 Jahre drupa (und insgesamt 225 Messetage!) feiern werden. In Vorbereitung auf diese 16. Auflage der Messe laden wir Sie ein, in den imaginären umgebauten DeLorean zu steigen, auf 88 Meilen pro Stunde auf der Autobahn nach Düsseldorf zu beschleunigen und sich zurück in die Zukunft des Druckes versetzen zu lassen.

 
 

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„Die drupa hat sich bewährt – und beeindruckt immer wieder aufs Neue,” sagte Werner Matthias Dornscheidt, Vorsitzender der Gechäftsführung der Messe Düsseldorf, vor zwei Jahren, und fügte in Umsetzung des neuen Slogans „Touch the Future“ hinzu: „Und die drupa 2016 macht da keine Ausnahme.“ Betrachtet man die ereignisreiche Geschichte der Veranstaltung, wird seine Prognose höchstwahrscheinlich eintreten. Aber damals, 1949, verlangte es den Gründungsvätern der drupa schon viel Mut ab, mit diesem völlig neuen Konzept an den Start zu gehen: eine internationale Fachmesse für Investitionsgüter nur für die Druck- und Papierbranche, die im Jahr 1951 stattfinden soll. Aber erst nachdem sich 527 Aussteller aus 10 Ländern und über 300.000 Besucher registriert haben, wissen die Gründungsväter, dass sie etwas ganz Großes angestoßen haben.

 

drupa City

Die Veranstalter wollten damals auf der etablierten BUGRA-Ausstellung aufbauen (kurz für „Buchgewerbe und Graphik“), die in Leipzig seit 1914 lief. Mit der Teilung Deutschlands im Jahre 1949 lag Leipzig nun hinter der Grenze in der DDR und es war nötig, auch die Messelandschaft des Landes neu zu strukturieren. Im Mai 1950 erklärten sie offiziell Düsseldorf zur Gastgeberin für die erste ‘Internationale Messe Druck und Papier’ – ein Titel, der in der Praxis schon bald zu „Druck und Papier“ abgekürzt wird und dann zu „DRUPA“. Der Name wird dann offiziell 1950 registriert – trotz der Tatsache, dass nur wenigen am Tisch damals die Abkürzung wirklich gefällt; Alternativvorschläge wie „INDRUPA“ werden verworfen. Ein Design-Wettbewerb verschafft der Messe schließlich ihr Kult-Logo – die Darstellung eines Drucktampons. Es soll die folgenden 50 Jahre lang in Gebrauch bleiben und erst im Jahr 2000 durch das Pixel-Logo ersetzt werden.

 

Druckarten

1951 regiert der Buchdruck die Branche. Im letzten Jahrhundert sind Satz und Druck rasch industrialisiert worden – und die drupa zeigt, wo es lang geht. Die Besucher bekommen fünf unterschiedliche Linotype-Modelle und fünf Monotypie-Maschinen zu sehen, die die Vielzahl von Druckmaschinen mit Buchstabensätzen versorgten, die von Herstellern wie Koenig & Bauer, M.A.N., Frankenthal Albers & Cie oder Heidelberg ausgestellt wurden. Letztere hatte sage und schreibe 19 Maschinen live auf der Messe im Betrieb inklusive ihrer automatischen Tiegel-Druckmaschine und dem Heidelberger Cylinder.  

 

Geschwindigkeit und Automation waren zweifelsohne die Schlagworte in Düsseldorf – und werden es auch die nächsten 65 Jahre bleiben. Die deutsche Tageszeitung Die Zeit blickt auf die Premiere der Veranstaltung als „eine ausgezeichnete Errungenschaft” zurück – trotz der „auf den ersten Blick etwas verwirrenden Kombination aus Druck und Papier unter einem Dach“.

 

Druckfertige Klischees

Veränderung liegt in der Luft. Offset-Druck (in den USA bereits im Aufschwung), da die Auflagen größer werden und die Nachfrage nach Farbe wächst, ist bereits 1951 an verschiedenen Ständen ausgestellt. Faber & Schleicher präsentiert z.B. seine neusten Offset-Maschinen in Halle 11, die 1-Farbendruckmaschine Roland Parva und die 2-Farben Roland Ultra. In Augsburg zu Hause beginnt   M.A.N. mit dem Bau seiner ersten Bogenoffset-Maschine, der „Ultra M.A.N.“

 

Auch andere Erfindungen, die dazu bestimmt sind, diese Industrie früher oder später einmal zu verändern, nehmen langsam Form an – fast gleichzeitig. In den USA installiert beispielsweise Xerox seinen ersten automatischen Kopierer für planes Papier, den „914“. Siemens patentiert den ersten kontinuierlich arbeitenden Tintenstrahldrucker. Und in den Labors vom Rudolf Hell (dem Erfinder des Hellschreibers, einer Version des Faxes von 1925), laufen bereits Versuche mit dem Klischographen – einem elektronisch gesteuerten Graviergerät, das einen Film in einem Schritt auf ein druckfertiges Stereotyp (oder Klischee) scannt.  

 

Beschleunigung der Druckvorstufe

Ganze drei Jahre später, 1954, wartet die drupa bereits mit ihrer zweiten Auflage wieder über 16 Tage und fast doppelt so groß auf: 35.000 m². Die Einführung des Hell Klischographen 151 ist ein Erfolg, denn er erlaubt es Druckern, den zeitraubenden chemikalischen Ätzprozess zu ersetzen und damit die Druckvorstufe zu beschleunigen. Das gleiche gilt auch für das „Linotype Quickset” System, die erste Lochstreifen-gesteuerte Setzmaschine ihrer Art mit einem Gussausstoß von 18.000 Buchstaben pro Stunde. Um die Möglichkeiten der Industrien zur Schau zu stellen, bekam Bundespräsident Theodor Heuss sein Foto in ausgedruckter Form nur 30 Minuten, nachdem es aufgenommen worden war.  

 

Bildgebung statt Guss

Unsere DeLorean-Zeitmaschine kommt im Jahr 1958 an und da erleben wir, wie Offset deutlich an Boden gewinnt. Der wachsende Erfolg der Roland-Druckmaschinen bewegt die in Offenbach ansässige Fabrik Franken & Schleicher sogar dazu, ihren Namen in „Roland Offsetmaschinenfabrik Franken & Schleicher“ zu ändern. Währenddessen wird bei Heidelberg die Offset-Technik noch mit Skepsis am „Rande zur Verachtung“ betrachtet.

 

Fotosatz ist auf dem Wege, heißes Metall zu ersetzen. Monotypie wird zu „Monophoto” – ein umgebautes mechanisches Fotosatzgerät, das die Schrift nicht mehr gießt, sondern photographisch abbildet. Berthold stellt einen Prototypen seiner Diatype 1958 aus. Es handelt sich dabei um ein Tischgerät zum schnellen Schriftsatz von Überschriften, das Buchstaben auf einer Schriftscheibe aus Glas abbildet. Hell führt seinen Colorgraph ein, ein Flachbettsystem, das Original-Fotos scannen, konvertieren, korrigieren und Farbtrennung vornehmen kann.

 

Linotype beschleunigt die Dinge weiter. Dort hat man am Linofilm-Fotosatzgerät gearbeitet, das seit der vorherigen drupa mit einer elektronischen Blitzröhre ausgestattet wurde. Nach praktischen Tests bei der Daily News in New York 1956, wird das Gerät (aus einer Tastatur, automatischen Fotosatz-Einheit und Korrektur- sowie Montageeinheiten bestehend) in Düsseldorf präsentiert; es kann bis zu 43.000 Buchstaben pro Stunde auf Film ausgeben.  

 

Aus Buchdruck wird Offset

Heidelberg überlegt es sich doch noch: Auf der vierten drupa 1962, geht man auf den Offset-Markt und stellt KOR vor – ein in Offset konvertierter Buchdruck. Die Messehallen mit nun 48.000 m² sind voll mit neuen Offset-Druckmaschinen unterschiedlichster Marken wie beispielsweise Wifag. Aus Japan kommt auch Sakurai zum ersten Mal zur Messe und stellt seine Flachbett-Buchdruckmaschine aus, während Screen seinen ersten elektronischen Farbscanner in den Markt einführt.  

 

Zur fünften Ausgabe der drupa im Jahre 1967 wurden zwei temporäre Hallen zur Messe zusätzlich errichtet – rund fünf Kilometer nördlich vom eigentlichen Messegelände. Aber selbst mit 60.000 m² ist die Messe ausverkauft. Koenig & Bauer feiert sein 150. Firmenjubiläum und stellt die Bogenoffset-Maschinen der neuen „Rapida“-Serie vor. Der Kombi-Chromagraph CT288 von Hell kann bereits mehrere Scans kombinieren, um Bilder und Texte zusammen auf Film zu bringen.

 

Neue Hallen

Ein Jahr nach der fünften drupa entschließt sich Düsseldorf, ein komplett neues Messegelände zu errichten, damit ihre führenden Fachmessen noch weiter wachsen können – genau an dem Ort, wo die temporären Hallen 1967 gestanden hatten. 1972 hat die drupa dann rund 100.000 m² zur Verfügung – und ist trotzdem wieder ausverkauft. Aber in der Branche vollzieht sich ein grundlegender Wandel. Die Herstellung der Linotype-Geräte mit Heißmetall wird 1970 in den USA eingestellt. Zur gleichen Zeit lanciert Heidelberg seine GTO (‘Grosser Tiegel Offset’)–Maschine, während die Roland 800 als erste Offset-Maschine eine eingebaute Farbregelung besitzt.

 

1977 verzeichnet die drupa zum ersten Mal in ihrer Geschichte über 1.000 Aussteller. Die Druckvorstufe ist mittlerweile komplett elektronisch – und Crosfield bringt seinen Minicomputer-gesteuerten Magnascanner heraus. Heidelberg führt die ersten Speedmaster-Maschinen ein. Die UV-Farben kommen auf den Markt, und die ersten Offset-Druckplatten für wasserlosen Druck sind zu sehen.

 

Auch der Compugraphic EditWriter 7500 kommt auf den Markt: ein Fotosatzgerät mit einer Tastatur und einer Fotoeinheit in einem Gerät, wodurch ein Auftrag gesetzt werden kann, während der Bediener gleichzeitig eine anderen eintippt. Derweil gründet in Israel ein Mann namens Benny Landa eine Firma mit Namen „Indigo”, um die Flüssigtoner-Technik weiter zu perfektionieren.

 

Die 1982er Ausgabe der drupa – bei der die Hälfte der Aussteller nicht mehr aus Deutschland kommt – erlebt weitere Entwicklungen im Fotosatz wie z.B. den Scantext1000 von Scangraphic.

 

Digitale Messe

Drupa, drupa, international printing and paper fair, we welcome you to Düsseldorf, Germany, to see what’s new in the graphics industry”. Dieser erste drupa-Song steht für die Ausgabe von 1986, obwohl er bereits 1980 zum ersten Mal zum Einsatz kommt, um die 82-er Messe während der „Print’80“ in Chicago zu bewerben. Wirklich neu ist dabei der erneute Wandel, der ins Haus steht: Apple hat nämlich seinen ersten Desktop-Computer (1984) auf den Markt gebracht, und Adobe hat mit der Entwicklung von PostScript begonnen. Linotype feiert sein 100-jähriges Bestehen.

 

Zur 10. Ausgabe und gleichzeitig dem 40. Geburtstag der Messe wird die drupa 1990 zur „Digitalen Messe“ erklärt - mit rund 25 laufenden Rollen-Offsetmaschinen in den drupa-Hallen. Bei jetzt insgesamt über 126.000 m² ist auch Raum für beispielsweise die ElectroPress von AM auf Basis von Flüssigtoner. Da die Messe kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 stattfindet, werden plötzlich auch Gespräche zwischen KBA und Planeta bzw. M.A.N. und Vomag möglich. Offset legt die Messlatte immer höher, und Komori stellt den ersten automatischen Druckplattenwechsler der Welt vor, der „damals als überflüssige Luxus-Lösung galt“.  

 

Und reisen wir mit unserem Fusionsgenerator-getriebenen DeLorean fünf Jahre weiter, dann dreht sich auf der drupa 1995 alles um verbesserte Produktivität. Computer-to-Plate (CtP), DI-Maschinen und digitaler Farbdruck sind omnipräsent. Während Indigo mit seiner E-Print 1000 Digital-Offset Farbdruckmaschine die Besucher zum Staunen bringt, führt Xeikon seine DCP-1 Trockentoner-Druckmaschine vor.  

 

Apple ist vor Ort, um die Pre-Press Lösung auf seiner Power Mac-Plattform vorzustellen, und Heidelberg hat ihren Quickmaster-DI am Start. MAN Roland präsentiert den Protoypen der DICO-Maschine, während Druckmaschinen-Hersteller KBA Tintendruck auf einer „hybriden“ Rollenoffset-Maschine präsentiert – mit der zusätzlichen Möglichkeit, verschiedene Cartoons auf die Frontseite jeder Zeitung drucken zu können.

 

Von Gutenberg zum Internet

Der 600. Geburtstag von Gutenberg dominiert die Veranstaltung im Jahr 2000, bei der 50 Jahre drupa gefeiert werden. Vollfarb-Digitaldruck fängt an, Offset ernsthaft Konkurrenz zu machen, und Xerox belegt eine ganze Halle mit seinem DocuColor-System (und bietet eine Vorschau auf sein „FutureColor“-System), Heidelberg und Kodak lancieren zusammen NexPress und Karat stellt seine Karat74 DI-Druckmaschine vor.  

 

Aber nicht nur der Druck wird digital – der gesamte Produktionsablauf ist von der Druckvorstufe bis zur Veredelung jetzt durch den Industriestandard CIP3 verbunden, wie in der Praxis in Halle 6 vom PrintCity-Konsortium gezeigt. Selbst Apple ist daran beteiligt: Man hat sich entschlossen, auf der drupa anstatt der CeBIT auszustellen und so Profi-Nutzer wieder zurück zu gewinnen. Apple bietet auch einen Preview des OS-X und dann gibt es da noch so etwas, von dem alle Welt spricht und das „Internet“ heißt.

 

Auf der drupa 2004 wird das Job Definition Format (JDF) zum Symbol für den verbundenen digitalen Workflow in der Grafikproduktion. Und während man feierlich den 150. Geburtstag des Linotype-Erfinders Ottmar Mergenthaler begeht, bewegt sich die Branche auf eine weitere Digitalisierungswelle zu. 2008 taucht immer mehr der Digitaldruck in der Liste der Aussteller auf: Agfa, Canon, Océ, Konica Minolta und Ricoh haben die Toner-Technik parat, während auch HP, Kodak und Screen Inkjet als den nächsten großen Megatrend präsentieren. Bei Messeschluss erreicht ein Nachricht aus San Francisco Düsseldorf: Apple führt das iPhone 3G ein.

 

„Touching the Future“

2012 hat Benny Landa den Tintenstrahl-Druck auf eine ganz neue Ebene gebracht, als er für die drupa 2016 den Nanographie-Druck versprach. Die konventionellen Druckmaschinen-Produzenten wie KBA und Heidelberg arbeiten bereits an ihren eigenen Tintenstrahl-Geräten – wie auch fast alle Hersteller von Digital-Druckmaschinen.  

 

Und während wir uns immer schneller auf das Zeitalter Industrie 4.0 zubewegen, sind Geschwindigkeit und Automation wieder einmal die Schlagworte in Düsseldorf während der drupa 2016 – zusammen mit Effizienz, Effektivität, Interaktivität und Multichannel. Und während wir noch den neuen drupa-Song summen, geht schon das   Gerücht, dass gegen Ende des Jahres eine „Back to the Future“-Folge in einem Londoner West-End Theater als Musical aufgeführt wird.    

 

Über den Autor:

Ed Boogaard ist freier Journalist, kommt aus den Niederlanden und generiert hauptberuflich Content mit Schwerpunkt Graphik- und Kommunikationsbranche. Seine Artikel, Kolumnen und Blogs erscheinen in Fachmagazinen, im Web und auf Twitter. Er ist bei Eurographic Press, einem Zusammenschluss von 14 Fachmagazinen tätig und liefert Beiträge zur niederländischen „Print Pakt“-Kampagne zur Förderung der Branche. Schon 2008 und 2012 gehörte er zum internationalen Redaktionsteam der offiziellen Messe-Zeitung „drupa daily“ – so auch in diesem Jahr.