Ein differenzierter Blick auf Verpackungen
Eine wichtige Aufgabe von Verpackungen ist es, in Verkaufsregalen die Aufmerksamkeit der Konsumentinnen und Konsumenten auf sich zu ziehen. Für viele Markenartikelhersteller ist es heute gleich wichtig, ein nachhaltiges Image zu vermitteln. Insbesondere bei Verpackungen für Produkte aus den Bereichen Schönheitspflege, Technologie und Lebensmittel ist eine deutliche Verschiebung hin zu Papier erkennbar. „Ein Grund hierfür ist die Einhaltung von Vorschriften. Zudem sind die Unternehmen dieser Branchen den Kunststoffverordnungen stets einen Schritt voraus“, erklärt Cope. „Gleichzeitig glauben die Konsumentinnen und Konsumenten, Papier sei natürlich und habe keine Auswirkungen auf die Umwelt.“
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass wir uns bei der Beurteilung von Verpackungen auf Fakten und Zahlen stützen – Ökobilanzen können hier eine wichtige Rolle spielen. Manchmal schneiden Verpackungen aus Kunststoff bei Analysen besser ab. Aber sie haben in der Öffentlichkeit nach wie vor ein schlechtes Image. Um hier mehr Transparenz zu schaffen, sind aus Sicht von Malhanova geeignete Aufklärungsmaßnahmen erforderlich: „Wir haben viele Jahre lang Kunststoffe eingesetzt, ohne ihrer Entsorgung viel Aufmerksamkeit zu schenken. Das Ergebnis sind enorme Kunststoffmengen in der Natur. Die Verbraucherinnen und Verbrauchern sind sich dessen bewusst. Es ist ein sehr emotionsgeladenes Thema.“
Werden Fakten und Zahlen vernachlässigt, kann sich das allerdings negativ auf die Nachhaltigkeit auswirken. Wenn sich Markenartikelhersteller von der Wahrnehmung der Konsumentinnen und Konsumenten leiten lassen – statt von der Frage, was objektiv die nachhaltigsten Verpackungen sind.
„Wir brauchen mutige Unternehmen, die sich bei ihren Verpackungen am Öko-Design orientieren und nicht an der Wahrnehmung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Man kann dieser gerecht werden, indem man Papier wählt. Aber wenn diese Entscheidung nicht der Nachhaltigkeit zugutekommt, schadet sie mehr, als sie nutzt. Es sind Zahlen und Fakten verfügbar, anhand derer den Konsumentinnen und Konsumenten aufgezeigt werden kann, wo Verpackungen aus Kunststoff sinnvoll sind, und wo der Umstieg auf alternative Verpackungsmaterialien oder Mehrweglösungen zweckdienlicher ist. Es dürfte schwierig sein, die Wahrnehmung der Verbraucherinnen und Verbraucher zu verändern. Doch wir müssen mutig sein und dort ansetzen, wo es richtig ist.
Der Komplexität gerecht werden
Der Mintel-Report zeichnet ein deutliches Bild: Die Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten versteht nach wie vor nicht die Komplexität des Themas Verpackungen, und wie sie entsorgt oder recycelt werden können. „Die Leute sind sich nicht notwendigerweise darüber im Klaren, dass sich als biologisch abbaubar oder kompostierbar gekennzeichnete Verpackungen nicht unbedingt im Garten zersetzen. Oder dass nicht aus allen Kunststoffen, die aus dem Meer geholt werden, Verpackungen für Lebensmittel oder Kosmetikartikel hergestellt werden können. Aber wir haben festgestellt: Die Mehrheit der Bevölkerung weiß, dass Kunststoffverpackungen die Haltbarkeit von Produkten verlängern und farbige Kunststoffe eventuell schwieriger zu recyceln sind. Eine Minderheit glaubt, Verpackungen könnten nur deshalb wieder recycelt werden, weil sie recycelte Inhaltsstoffe enthalten. Und nur eine Minderheit ist sich bewusst, dass Kartons für Flüssigkeiten und flexible Verpackungen möglicherweise nicht auf lokaler Ebene recycelt werden können. Es bleibt noch viel zu tun – zumal in den vergangenen zwei Jahren bei den Antworten auf dieselben Fragen zum Thema Verpackungen keine großen Fortschritte erkennbar sind“, zieht Cope Bilanz.
Es liegt auf der Hand: Die Wahrnehmung der Verbraucherinnen und Verbraucher rund um das Thema Verpackungen ist komplex und vielschichtig. Die drupa 2024 und insbesondere der Touchpoint Packaging werden es ihnen ermöglichen, sich in der Tiefe mit ihm zu beschäftigen. Sie werden hier innovative und ins Auge springende Ideen für Verpackungs-Design sehen. Der Fokus liegt auf den jüngsten Entwicklungen in der Gestaltung und Produktion von Verpackungen. Der Touchpoint Packaging versteht sich als offene Plattform für alle Branchenexperten, die sich mit der Entwicklung zukunftsweisender Verpackungslösungen beschäftigen.