In vielen Betrieben fehlt es an qualifiziertem Personal, insbesondere in den Bereichen technischer Service, Weiterverarbeitung und Maschinenbedienung. Die Folgen sind unmittelbar spürbar: Es kommt zu Verzögerungen in der Produktion und zu Engpässen bei der Auftragsabwicklung. Das hat wiederum eine sinkende Auslastung zur Folge. Bei der Vermittlung komplexer Inhalte stoßen klassische Schulungsformen wie Präsenztrainings oder digitale Schulungsvideos aber schnell an ihre Grenzen. Auch reine Remote-Unterstützung reicht hier nicht mehr aus, um den Alltag in vernetzten Produktionsumgebungen abzusichern. Deshalb werden Lösungen benötigt, die Wissen nicht nur vermitteln, sondern auch kontextbezogen bereitstellen, Prozesse strukturieren und
Daneben entscheiden sich viele Unternehmen dafür, alltägliche Abläufe zu automatisieren. Das entlastet die Mitarbeitenden von Routinetätigkeiten und ermöglicht eine verlässlichere Planung. Das ist angesichts immer knapper werdender Ressourcen von besonderer Bedeutung.
Technologien wie AR, VR und MR ermöglichen die virtuelle Erfassung und Bedienung komplexer Maschinen, ohne dass reale Systeme blockiert werden oder Produktionsrisiken entstehen. Auf der drupa 2024 wurden zahlreiche dieser Systeme demonstriert und konnten live ausprobiert werden. Die Grundlage für diese Anwendungen ist ein digitaler Zwilling, also ein virtuelles Abbild der realen Maschine, das auf Konstruktionsdaten basiert. In dieser digitalen Umgebung können Mitarbeitende den Aufbau von Maschinen erkunden, Montageprozesse nachvollziehen und typische Fehlerbilder durchspielen.
Da sich Arbeitsabläufe beliebig oft wiederholen lassen, können neue Mitarbeitende schrittweise an ihre Aufgaben herangeführt werden. Dies verkürzt die Einarbeitungszeit, erhöht die Sicherheit und fördert die Selbstständigkeit im Umgang mit den Anlagen.
Digitale Zwillinge sind jedoch nicht nur für Schulungszwecke interessant, sondern gewinnen auch im laufenden Betrieb zunehmend an Bedeutung. Sie bilden die Grundlage für eine ganz neue Herangehensweise an Wartung, Diagnose und Fehleranalyse. So können sie beispielsweise als interaktiver Ersatzteilkatalog dienen, der im Rahmen von Mixed-Reality-Anwendungen direkt mit der physischen Maschine verknüpft ist. Das technische Personal sieht die Arbeitsschritte dann visuell eingeblendet, und zwar direkt über dem betroffenen Bauteil. Das beschleunigt die Fehlersuche und erleichtert auch seltene durchgeführte Eingriffe, da die notwendigen Informationen unmittelbar und kontextbezogen verfügbar sind.
Solche Systeme entlasten die Belegschaft im Alltag spürbar. Die darin hinterlegten Schritt-für-Schritt-Anleitungen können jederzeit abgerufen werden. Dadurch werden Abläufe klarer strukturiert und technische Aufgaben lassen sich einfacher priorisieren. Spezialisierte Fachkräfte gewinnen so Zeit für komplexere Tätigkeiten, während Standardaufgaben auch von weniger qualifiziertem Personal sicher und nachvollziehbar ausgeführt werden können.