Digital Embellishment 2.0: Veredelung ohne Laminierung -- drupa - 2028 - Messe Düsseldorf Zum Hauptinhalt springen

Digital Embellishment 2.0: Veredelung ohne Laminierung


















Die digitale Veredelung erreicht die nächste Stufe: Effekte wie Spotlack, Relief und Metallisierung lassen sich mittlerweile auch im Digitaldruck zuverlässig direkt auf ungestrichenen Substraten realisieren. Ganz ohne Laminatfilm oder zusätzliche Beschichtung. Das verkürzt Prozesse, senkt den Materialeinsatz und eröffnet neue Ertragspotenziale in der Weiterverarbeitung.

Vom Effekt zur Ertragsstufe

Veredelung ist längst mehr als ein Stilmittel, sie ist ein strategischer Hebel für Differenzierung und Margen. In Märkten, in denen Produkte zunehmend austauschbar wirken, steigert die digitale Veredelung den Wert pro Seite für Druckereien messbar und kalkulierbar. Marken setzen Haptik und Glanz gezielt ein, um Aufmerksamkeit zu schaffen und die Kundenbindung zu stärken. Für Druckereien bedeutet das: Zusatzerlöse durch ein sichtbar und spürbar aufgewertetes Produkterlebnis.

Technologischer Fortschritt: Direkt auf Naturpapier

Lange Zeit galt die Offenporigkeit ungestrichener Papiere als größte Hürde für die digitale Veredelung. Damit Lacke, Folien oder Metallisierung zuverlässig hafteten, mussten Substrate zuvor meist vorbehandelt werden – etwa durch Laminierung, Primerbeschichtung oder eine zusätzliche Versiegelungsschicht. Diese Schritte machten die Prozesse aufwendiger, teurer und weniger nachhaltig.

Neue Systemgenerationen setzen genau hier an: Fortschrittliche Lackformulierungen und präzise gesteuerte Applikationssysteme haften kontrolliert direkt auf unbeschichteten Fasern. Ein Durchgang, kein Film, keine Vorbeschichtung, kein Medienbruch. Das Ergebnis sind kürzere Durchlaufzeiten, geringerer Materialeinsatz und eine stabil reproduzierbare Qualität.

Inzwischen lassen sich mehrlagige Reliefstrukturen bis in Braille-taugliche Höhen, feinst auflösende Spotlacke und digitale Metallisierungseffekte in einem einzigen Durchgang auch auf offenporigen Naturpapieren realisieren. „Digital Embellishment“ der zweiten Generation bündelt so mehrere Anwendungen in einem Produktionsschritt oder macht sie gar überflüssig. Damit sinkt der Bedarf an Vorbehandlung und Medienwechsel, während die Prozessstabilität deutlich steigt.

Neue Prozessrealitäten in der Weiterverarbeitung

Gleichzeitig wächst die Formatbandbreite von B2 bis B1, wodurch Premiumverpackungen, hochwertige Mailings und individualisierte Werbemittel effizient realisiert werden können. In Verbindung mit automatisierten Workflows entsteht eine durchgängig digitale Prozesskette vom PDF bis zur veredelten Endanwendung, inklusive Varianten, Kleinserien und Personalisierung. So wird Veredelung zunehmend zum Standard in der Produktion und verlässt die Nische der Sonderserien.

Nachhaltigkeit, die sich rechnet

Weniger Arbeitsschritte, weniger Kunststoff: Der Verzicht auf Laminat und zusätzliche Beschichtungen reduziert Abfall und erleichtert das Recycling von Papierprodukten. UV-härtende oder – je nach Anwendung – wasserbasierte Lacke senken Energiebedarf und Emissionen. Geschlossene Dosiersysteme und Inline-Qualitätssicherung minimieren den Materialverbrauch, ohne die erzielte Wirkung zu mindern. So wird Nachhaltigkeit vom vermeintlichen Kompromiss zum wirtschaftlichen Argument.

Auch jenseits der Veredelung zeigt sich schließlich in der Verpackungsproduktion ein klarer Trend zu mehr Nachhaltigkeit: „Right-sized“ On-Demand-Boxen und digital gesteuerte Zuschnittprozesse reduzieren Kartonverbrauch, Füllmaterial und Transportvolumen – ein Hebel, der die CO₂-Bilanz messbar verbessert.

Design und Daten wachsen zusammen

Mit der Weiterentwicklung der Hardware verändern sich auch die Prepress-Prozesse. Softwaregestützte Automatisierung markiert Veredelungszonen, separiert Ebenen und prüft Toleranzen. KI-basierte Tools analysieren PDFs und erzeugen Masken für Lack und Metallisierung – Aufgaben, die früher manuell ausgeführt wurden. Das senkt die Einstiegshürde für Druckereien und Agenturen und erweitert gleichzeitig die kreative Varianz.

Neben der Maskenerzeugung übernehmen KI-gestützte Inspektion und Closed-Loop-Regelung die Qualitätssicherung im laufenden Prozess. Barcodes koppeln Jobs an Prüfroutinen und dokumentieren die Ergebnisse automatisch und machen so einen weiteren Schritt hin zu vollständig digitalisierten Produktionsabläufen.

Ein vernetztes Ökosystem

Veredelung wird modular: Über offene Schnittstellen lassen sich Lackierung, digitale Folienübertragung und Prägeeffekte in bestehende Linien von Bogen- bis Endlosanwendungen und Verpackungsstraßen integrieren. Robotik und KI-gestützte Produktionsplanung verkürzen Rüstzeiten und stellen sicher, dass menschliche Arbeitskräfte dort eingesetzt werden, wo kreative Entscheidungen gefragt sind.

One-Pass-Ansätze verbinden Druck, Lackierung, Metallic-Effekte und – je nach Linie – sogar nachgelagerte Schritte wie Rillen, Stanzen oder Kleben. Predictive-Maintenance-Konzepte sichern hohe Verfügbarkeit im Dauereinsatz.

Von der Ausnahme zum Standard

Diese Kombination aus Qualität, Geschwindigkeit und Ressourcenschonung macht die digitale Veredelung auch für mittlere und kleinere Betriebe attraktiv. Wer sich vom reinen Preiswettbewerb lösen möchte, integriert die Veredelung als festen Bestandteil seines Angebots. Der Mehrwert entsteht durch Materialwahl, Haptik und emotionale Wirkung – und stärkt damit den Markterfolg nachhaltig.

Die neue Wertschöpfungslogik

„Digital Embellishment 2.0“ steht für Produktionsrealität statt Zukunftsversprechen: laminationsfreie Effekte auf ungestrichenen Papieren, automatisierte Workflows und integrierte Qualitätskontrolle. Technik, Gestaltung und Verantwortung greifen ineinander und verschieben die Wertschöpfung dorthin, wo sie am meisten wirkt: auf die Oberfläche, die Verbraucher sehen und fühlen.

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