Druck- und Papierindustrie leistet ihren Beitrag zu nachhaltiger Transformation -- drupa - 28. Mai - 7. Juni 2024 - Messe Düsseldorf
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Druck- und Papierindustrie leistet ihren Beitrag zu nachhaltiger Transformation


















Interview mit Tim Sterbak, Geschäftsführer IST Metz GmbH & Co. KG

Papier und Druckerzeugnisse werden auch in den nächsten Jahrzehnten noch in vielen Lebensbereichen genutzt und gebraucht – die Branche hat Zukunft. Jedoch besteht ein massiver Veränderungsdruck, vor allem getrieben durch zwei Faktoren: Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Hierzu befassen sich die Unternehmen mit vielen unterschiedlichen Technologien.

Vor dem Start der drupa hat der VDMA Fachverband Druck- und Papiertechnik seine Mitgliedsunternehmen zu ihren Plänen, Lösungen und Herausforderungen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft befragt. Die IST METZ GmbH & Co. KG aus Nürtingen, die auch auf der drupa vertreten sein wird, geht in der nachhaltigen Transformation mit gutem Beispiel voran. Als ein global führender Anbieter von UV-Systemen für das schnelle Härten und Trocknen von Farben, Lacken und Klebstoffen hat das Unternehmen einen starken Fokus auf Energieeffizienz. Im Interview spricht Geschäftsführer Tim Sterbak darüber, wie Simulationen, Life-Cycle-Analysen und intelligente Steuerung dabei helfen, Effizienzpotenziale zu heben.

Bis Mitte des Jahrhunderts wollen die führenden Industrienationen klimaneutral wirtschaften. Ist diese Zielsetzung aus Ihrer Sicht realistisch?

„Das ist ein realistisches – aber sehr ehrgeiziges und anspruchsvolles Ziel. Zugleich ist es alternativlos, die Dekarbonisierung zügig voranzutreiben. Ziele sollten ambitioniert und umsetzbar sein – und durch klare Roadmaps mit Meilensteinen, deren Erreichen überprüft wird, Planbarkeit schaffen. Um die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, müssen alle Sektoren mitziehen. Zentral sind auch global abgestimmte Strategien. Es ist eine Herkulesaufgabe, die alle gemeinsam anpacken müssen und zu der wir als IST unseren Beitrag leisten werden.“

Was unternehmen Sie, um den Energiebedarf Ihrer Produktion zu minimieren?

„Wir gehen das Thema in allen Varianten an. Das reicht von der energie-effizienten LED-Beleuchtung, energetischen Optimierung der Gebäudehüllen, der Heiz- und Klimatechnik bis zur Wärmerückgewinnung und zur Nutzung jener Abwärme, die regelmäßig entsteht, weil wir jedes UV-System vor der Auslieferung an die Kunden intensiv testen. In diesen Probeläufen richten wir das Augenmerk ebenfalls auf die Prozessoptimierung und können durch veränderte Zyklen viel Energie sparen. Und aktuell investieren wir in Photovoltaik. In Verbindung mit Speicherlösungen wollen wir damit künftig bis zu 70 Prozent unseres Strombedarfs decken. Und nicht zuletzt schaffen wir mit einen Energiemanagementsystem Transparenz. Auch wenn wir als Montagebetrieb bis auf unsere Produkttests kaum energieintensive Prozesse haben, sehen wir hier Potenzial, um unsere Energiekosten noch einmal deutlich zu senken. Wir streben zudem eine Zertifizierung gemäß der Umweltnorm ISO 14001 an, auch weil diese perspektivisch zu einer Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit OEM-Kunden werden dürfte.“

Wie unterstützen Sie Ihre Kunden dabei, energieeffizienter zu produzieren?

„Das Härten und Trocknen von Farben, Lacken und Klebstoffen mithilfe von Licht im ultravioletten (UV) oder infraroten (IR) Wellenlängenbereich ist ohnehin schon viel energieeffizienter als beispielsweise mit gasbetriebener Trocknungstechnik. Dieser Vorteil wird noch größer, wenn statt der herkömmlichen Lampen hocheffiziente UV-Leuchtdioden (LEDs) eingesetzt werden. Mittlerweile führen wir vor der Auslegung der Systeme Energieaudits bei den jeweiligen Kunden durch, führen Simulationen und Life-Cycle-Analysen durch und ermitteln dabei auch die Total-Cost-of-Ownership, um den Anteil der Energiekosten und die Vorteile einer adaptiven Systemauslegung transparent zu machen. Es geht immer darum, anhand der Simulationen und digitaler 3D-Modelle die optimale Strahlungsleistung pro Fläche für den jeweiligen Prozess des Kunden zu erreichen, ob er dafür nun Lampen oder LEDs einsetzt. Wir haben über die Auslegung der Optiken, der Kühlleistung, die Abstände oder auch durch das Dimmen der Leuchtmittel sowie das gezielte Ein- und Abschalten von einzelnen LEDs in einem Array viele Stellschrauben, die sich direkt auf den Energiebedarf auswirken – und die unsere Steuerungssysteme im Sinne optimaler Qualität bei maximalem Output an die tatsächliche Prozessgeschwindigkeit und den Trocknungsbedarf anpassen. Hierbei ist es wichtig, die Anwender mitzunehmen. Daher führen wir vor Inbetriebnahmen oft Schulungen durch, um Maschinenführer für den Einfluss der Trocknungsparameter auf den Energiebedarf zu sensibilisieren. Letztlich geht es darum, alle Aspekte in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen, von Mitarbeiterverhalten über den Strombedarf bis hin zur Einsparung von Inertgasen durch schnellere Trocknungsprozesse, wo diese im Einsatz sind – um zur optimalen Systemauslösung zu gelangen.“

Welche Rolle spielt das Thema Energieeffizienz in Ihrer Forschung und Entwicklung?

„Themen wie die Lebenszyklusanalyse, die Auswahl der Materialien mit Blick auf deren potenzielle Rückgewinnung aus ausgedienten Lampen oder die Wiederverwendung von Komponenten sowie die Service- und Reparaturfreundlichkeit unserer Produkte oder deren Verpackungen gewinnen an Gewicht. Wir stellen die Lampen mit unserer Schwesterfirma eta plus selbst her und streben gemeinsam echte Kreislaufkonzepte an. Manches steht noch am Anfang. Aber wir sehen das Potenzial und treiben diese Entwicklungen daher systematisch voran. Wir haben allerdings in der Vergangenheit auch die Erfahrung machen müssen, dass vermeintlich bahnbrechende Innovationen auf schwache Marktresonanz gestoßen sind. Darunter ein System, das mit 30 Prozent weniger Energie denselben Output pro Fläche gewährleisten als vorher verfügbare Produkte. Wir haben solche Lösungen, sie sind marktreif und wir hoffen darauf, dass die Nachfrage steigt, weil Energiethemen und der Klimaschutz wichtiger werden.“

Was wünschen Sie sich von Gesetzgebern auf dem Weg zur Klimaneutralität?

„Klare, ehrgeizige und vor allem planbare Klimaziele. Der Weg dorthin muss auf einer wissenschaftlichen Basis fundiert – und auch durchsetzbar sein. Im Prinzip braucht es ein normales Projektmanagement mit klaren Meilensteinen, die nachverfolgt und bei Bedarf durch Gegenmaßnahmen und Anreizsysteme forciert werden. Transparenz ist für alle Beteiligten wichtig und Unternehmen brauchen Planbarkeit. Das Ganze kann aber nur zum Erfolg führen, wenn die Maßnahmen international abgestimmt werden. Daneben müssen wir uns forciert mit der Anpassung an die Folgen des Klimawandels beschäftigen, um die Widerstandfähigkeit unserer Infrastruktur, unserer Versorgung, Industrie und Gesellschaft zu erhöhen. Angesichts der globalen Dimension wird es auf Projekte mit positiver Strahlkraft ankommen, um möglichst viele Menschen ins Boot zu holen. Wenn ein Land wie Dänemark seine ehrgeizigen Klimaschutzziele erreicht, dann schafft das Vertrauen in die Umsetzbarkeit. Solche Vorbilder und den Nachweis der Machbarkeit braucht es auf allen Ebenen. Der Maschinen- und Anlagenbau kann hierzu einiges beitragen.“

Was kann die Druck- und Papierindustrie dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck von Verpackungen und anderen Druckerzeugnissen zu minimieren? Dieser zentralen Fragestellung widmet sich der touchpoint sustainability auf der drupa 2024 in Halle 14, Stand D60.  

Das vom VDMA Fachverband Druck- und Papiertechnik ausgerichtete Sonderforum bietet einen umfassenden Branchenüberblick mit verschiedenen Best-Practice-Beispielen und einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm. Damit zeigt das Forum unternehmensunabhängig, was schon heute möglich ist, wohin sich die Branche entwickelt und, dass Investments in Nachhaltigkeit für Unternehmen auch ökonomisch sinnvoll sind.

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