Von glänzenden Mustern zur fundierten Entscheidung -- drupa - 2028 - Messe Düsseldorf Zum Hauptinhalt springen

Von glänzenden Mustern zur fundierten Entscheidung















Ansätze für eine strukturierte und objektive Prüfung von Inkjet-Systemen

Was auf Messen glänzt, muss im Alltag noch lange nicht überzeugen. Druckmuster, die unter Idealbedingungen präsentiert werden, lassen sich nicht immer auf reale Produktionsumgebungen übertragen. Wer sich allein vom ersten visuellen Eindruck leiten lässt, läuft Gefahr, die tatsächliche Leistungsfähigkeit zu überschätzen. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie Muster systematisch und messbar bewerten und so eine fundierte Investitionsentscheidung treffen.

Der erste Blick kann trügen

Inkjet-Systeme haben in den letzten Jahren einen beeindruckenden Reifegrad erreicht. Dadurch wird es jedoch auch schwieriger, die Leistungsfähigkeit konkreter Systeme realistisch und vor allem objektiv einzuschätzen. Mit tollen Druckmustern wollen die Hersteller die Leistungsfähigkeit demonstrieren, doch nicht jedes Muster ist für einen objektiven Vergleich geeignet. Deshalb gilt: Fordern Sie gezielt Vergleichsdrucke auf unterschiedlichen Materialien an und verlassen Sie sich nicht nur auf die Optik. Setzen Sie stattdessen klare Messkriterien an. Nur das Zusammenspiel aus subjektivem Eindruck und objektiver Analyse schafft eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

Vom "Sieht gut aus" zur messbaren Qualität

Es ist schön, wenn es gut aussieht. Aber das ist natürlich noch nicht das ganze Bild. Die tatsächliche Qualität zeigt sich erst, wenn Sie auch die Zahlen berücksichtigen. Achten Sie deshalb bei der Beurteilung von Mustern besonders auf folgende technische Kennzahlen:

  • Optische Dichte und Farbgenauigkeit: Was auf den ersten Blick satt und brillant aussieht, muss unter der Lupe nicht zwingend überzeugen. Erst präzise Messungen zeigen, wie farbstabil und zuverlässig ein Drucksystem wirklich arbeitet. Besonders wichtig ist, ob die Dichtewerte auch dann konstant bleiben, wenn auf unterschiedlichen Materialien gedruckt wird. Das ist ein klarer Hinweis darauf, ob die Maschine auch im Produktionsalltag stabile Ergebnisse liefert und nicht nur im Showroom.
  • Farbraum (Gamut): Nicht jedes System bringt Farben gleich gut aufs Papier – und schon gar nicht alle. Entscheidend ist, wie groß der Farbraum tatsächlich ist und wie sicher er sich nutzen lässt. Wer regelmäßig mit Hausfarben arbeitet oder Pantone-Vorgaben erfüllen muss, profitiert von einem breiten, gut steuerbaren Farbraum. Denn je näher das System an den gewünschten Farbwert herankommt, desto weniger muss später mit Profilen und Korrekturen nachjustiert werden. 
  • Auflösung und Detailschärfe: Feine Linien, winzige Schriften und klare Konturen sind der Belastungstest für jede Druckmaschine. Hier zeigt sich, wie exakt das System arbeitet und wie sauber es mit Details umgeht. Vor allem die gleichmäßige Schärfe an Kanten – egal, ob in hellen oder dunklen Bildbereichen – verrät, ob Tonwertverläufe kontrolliert und ohne Schwankungen wiedergegeben werden.

Über den Kaufpreis hinaus: Die richtigen Fragen im Technologie-Check

Wie bei jeder langfristigen Investition spielen nicht nur die Anschaffungskosten eine wichtige Rolle. Auch die Betriebskosten und Prozessdetails sind für die Beurteilung entscheidend. Deshalb sollten Sie im Gespräch mit den Herstellern unbedingt die folgenden Fragen stellen:

  • Geschwindigkeit vs. Qualität: Wie schnell wurde das Muster tatsächlich gedruckt und wie wirkt sich eine hohe Auflösung aus? Entscheidend ist, ob die Maschine auch dann noch sauber arbeitet, wenn das Tempo gedrosselt werden muss. Nur wenn Qualität und Stabilität auch bei realistischen Produktionsgeschwindigkeiten erhalten bleiben, ist das System alltagstauglich. 
  • Tintenverbrauch und Farbprofilierung: Farbprofile sind mehr als nur eine Einstellung, da sie den Tintenverbrauch maßgeblich beeinflussen. Ein gut kalibriertes, neutral abgestimmtes Profil zeigt, wie effizient das System wirklich arbeitet. Wenn das Muster unnötig „fett“ wirkt, kann das ein Hinweis auf übermäßigen Tintenauftrag sein – und der schlägt sich direkt im Budget nieder.
  • Primer-Einsatz: Wurde das Substrat vorbehandelt? Wenn ja, lohnt sich ein genauerer Blick. Ein gezielter, punktueller Primerauftrag kann Kosten sparen, ohne Abstriche bei der Qualität. Spannend wird es beim Vergleich: Zeigen Muster mit und ohne Primer deutliche Unterschiede, sagt das viel darüber aus, wie anpassungsfähig das System bei wechselnden Materialien ist.
  • Tonwertsumme (TAC): Gerade bei kräftigen Farbflächen oder schwierigen Substraten wird die Tonwertsumme zur kritischen Größe. Ist sie zu hoch, kann das zu Trocknungsproblemen, Instabilität oder schlechter Haftung führen – vor allem bei hoher Druckgeschwindigkeit. Ein gutes System hält auch hier die Balance zwischen Farbwirkung und Produktionssicherheit.

Zukunftsfähig investieren: Wartung, Automatisierung & Zuverlässigkeit

Ein moderner Druckworkflow endet nicht am Druckkopf. Prüfen Sie deshalb auch die langfristigen Kosten und Aufwände, die durch die folgenden Aspekte entstehen:

  • Wartungsaufwand und Verschleiß: Wie robust sind die Druckköpfe im täglichen Einsatz wirklich und wie oft müssen sie gereinigt oder ausgetauscht werden? Auch wenn vieles inzwischen automatisch läuft: Ein genauer Blick auf Wartungsintervalle, Reinigungszyklen und ungeplante Stillstände lohnt sich. Denn wer zuverlässig planen will, braucht ein System, das nicht nur unter Idealbedingungen durchhält, sondern im Alltag möglichst selten zum Stillstand kommt.
  • Systemintegration: Passt die neue Maschine reibungslos in Ihre vorhandenen Abläufe oder sind dafür aufwendige Umwege nötig? Moderne Systeme lassen sich idealerweise direkt an Ihre MIS- oder ERP-Umgebung anbinden. Schnittstellen wie JDF oder JMF sorgen dafür, dass Auftragsdaten automatisch übergeben werden. So bleibt der Workflow schlank, Fehlerquellen werden reduziert – und gerade bei knappen Personalressourcen zahlt sich das doppelt aus.
  • Qualitätssicherung: Je früher ein Fehler erkannt wird, desto einfacher lässt er sich korrigieren – und genau das leisten moderne Inspektionssysteme mit KI-Unterstützung. Sie entdecken Abweichungen in Echtzeit und greifen automatisch ein, bevor Ausschuss entsteht. Wichtig dabei ist, dass ein gutes System nicht nur meldet, dass etwas nicht stimmt, sondern auch aktiv dafür sorgt, dass Prozesse stabil bleiben und Qualität reproduzierbar ist.

Material entscheidet mit: Substrate und Nachhaltigkeit im Blick

Die Tinte bringt die Motive auf das Substrat auf. Genau hier entscheidet sich, wie wirtschaftlich und qualitativ überzeugend das Ergebnis wird.

  • Tintenchemie: Wasserbasierte Tinten gelten als umweltfreundlicher und eignen sich besonders für grafische Anwendungen auf Papier oder Karton. UV-Tinten hingegen spielen ihre Stärken bei speziellen Anforderungen aus, etwa beim Bedrucken nicht saugender Materialien oder wenn eine sofortige Weiterverarbeitung notwendig ist. In beiden Fällen gilt: Die Vorteile zeigen sich nur, wenn die Tinte zum vorhandenen Workflow passt.
  • Materialvielfalt: Lassen Sie sich Muster auf den Materialien liefern, die Sie tatsächlich im Einsatz haben. Je mehr Substrate kompatibel sind, desto flexibler und zukunftssicherer wird Ihr Angebot.

Nur was messbar ist, schützt Ihre Investition

Eine neue Drucklösung ist in der Regel mehr als nur ein Upgrade! Sie ist eine strategische Entscheidung. Die Entwicklungen auf der vergangenen drupa haben dies eindeutig gezeigt. Die Inkjet-Technologie ist bereit für den Praxiseinsatz. Die Wahl des Systems sollte jedoch auf klaren und überprüfbaren Kriterien beruhen.

Farbtreue, Dichte und Kantenschärfe, gepaart mit transparenten Leistungswerten wie Druckgeschwindigkeit, Tintenverbrauch oder Primerbedarf, ermöglichen einen Vergleich der Systeme. So wird aus Unsicherheit ein Wettbewerbsvorteil. Denn wer auf Messbarkeit setzt, investiert nicht nur clever, sondern auch mit Weitblick.

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