Der digitale Textildruck hat sich in den letzten Jahren nicht so schnell durchgesetzt, wie von vielen erwartet. Das ist nicht untypisch für neue Technologien, die oft mit großem Enthusiasmus eingeführt werden und einen gewissen Hype auslösen. Vergleichbare Entwicklungen waren auch beim Übergang vom analogen zum digitalen Schwarzweiß- und Farbdigitaldruck für den Akzidenzdruck zu beobachten, wo es Jahre dauerte, bis sich die neue Technologie auf breiter Front durchsetzte.
Für kurze Zeit sah es während der Pandemie nach dem großen Durchbruch für den digitalen Textildruck aus. Da die Lieferketten zwischen Asien und dem Westen unterbrochen waren, suchten Einzelhändler und Marken nach kostengünstigen Möglichkeiten, ihre Regale zu füllen. Sie setzten dabei auf den digitalen Textildirektdruck („Direct to fabric“ und „Direct to garment“). Doch nach diesem kurzen Aufschwung stagnierte der Anteil digital bedruckter Textilien bei rund 10 Prozent.
Die drupa 2024 bot eine besondere Gelegenheit, die digitalen Möglichkeiten der Textilindustrie unter die Lupe zu nehmen. Mehr als 30 Aussteller präsentierten ihre Lösungen – von Stoffen über Tinten und Drucker bis hin zu Verbrauchsmaterialien. Ein großer Fortschritt im Vergleich zur drupa 2016 war der „touchpoint textile“, ein Bereich, der sich der vollständig vernetzten Produktionskette vom Design bis zum fertigen Produkt widmete. Das Forum zeigte, wie die Textilindustrie durch innovative Geschäftsmodelle und zukunftsweisende Technologien verändert werden kann.
Ein Highlight auf der Messe war eine hochautomatisierte Inkjet-Druckmaschine von Kornit Digital, die speziell für hohen Durchsatz konzipiert und der konventionellen Technik in vielen Punkten ebenbürtig ist. Sie ermöglicht die Verarbeitung einer Vielzahl von Materialien, darunter Baumwolle, Polyester, Seide und sogar Leder. Die Produktionskapazität von bis zu 400 T-Shirts pro Stunde zeigt, wie effizient und flexibel der digitale Textildruck heute sein kann.
Wenn wir in einigen Jahren zurückblicken, könnte es gut sein, dass wir feststellen, dass für die Textil- und Bekleidungsindustrie die drupa 2024 ein entscheidender Wendepunkt war. Die zahlreichen Innovationen und Diskussionen auf der Messe haben gezeigt, dass die Digitalisierung der Textilproduktion in den Startblöcken steht und großes Potenzial birgt.
Es bleibt abzuwarten, ob die auf der drupa 2024 vorgestellten Technologien und Lösungen den erhofften Wandel beschleunigen werden. Wenn die Unternehmen die auf der drupa 2024 gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um ihre Strategien anzupassen und sich auf die nächsten Schritte in Richtung einer digitalisierten, nachhaltigen Textilproduktion vorzubereiten, dann könnte sich Geschichte wiederholen - dann könnte dem digitalen Textildruck in nächster Zeit der gleiche Durchbruch gelingen wie seinerzeit dem Digitaldruck auf Papier.
Mehr spannende Einsichten zum Thema Textildruck von der drupa 2024 finden Sie auf der Seite des touchpoint textile.